Ist die EU mit der Einführung von SEPA gescheitert?

Wer in den letzten Tagen des Jahres 2013 oder Anfang des neuen Jahres seine Bank oder Sparkasse besuchte, um einfach Geld am Automaten zu ziehen oder die Kontoauszüge auszudrucken, hat sich über die langen Schlangen an den wenigen Schaltern gewundert.

Wird das Geld alle, steht eine Inflation vor der Tür oder bricht das Finanzsystem ganz zusammen, waren die Gedanken von Millionen Bankkunden und auch Außenstehender.

Wenn nicht nur am Monatsletzten, wo in der Regel Rentner ihre zarte Zuwendung vom Staat erhalten und die Geldautomaten durch lange Warteschlangen ins Blickfeld rücken, sondern jeden Tag die Bank oder Sparkasse aussieht, wie ein Obst- und Gemüseshop kurz nach der Wende, muss es doch etwas besonderes geben, oder?

Das Zauberwort heißt SEPA!

Die vorwiegend betagte Mitbürger in den Warteschlangen am Bankschalter diskutierten teils aufgebracht, eingeschüchtert oder verunsichert, über den Sinn und Zweck der neuen Nummer ihres Bankkontos; die bisherige Kontonummer und Bankleitzahl, welche sie seit Jahrzehnten durch den Gebrauch auswendig kannten, sollte mit einem Schlag nicht mehr gelten?

Hilflosigkeit machte sich bei vielen Bankkunden breit, denn jeder potenzielle „Geschäftspartner“, egal ob Rentenversicherung, Krankenkasse oder Reisebüro, wo der Bankkunde Zahlungen erwartet oder leisten muss, hat einen wunderschönen, langen und für Rentner oft unverständlichen, wenn nicht sogar beunruhigenden Brief geschrieben, dessen Beantwortung oftmals die Hilfe jüngerer Menschen notwendig machte, also für viele Alleinstehende eine große Hürde bedeutete, die oft nicht zu überwinden war.

Die Kunden, übrigens nicht nur Rentner, waren überaus verunsichert und für viele sollte der spontane Weg zur Bank die Rettung sein, um die Sache mit SEPA zu klären.

Selbst die Banken klagen immer noch über das große Chaos. Viele Unternehmen und Vereine ignorieren die 22-stelligen Zahlenungetüme einfach, was jetzt die EU veranlasst hat, die Einführung dieser Monsternummer um voraussichtlich 6 Monate zu verschieben.

Erstmals haben die Bürger der EU direkt mit ihrer Verweigerung bzw. Verzögerung selbst „abgestimmt“.

Mit der SEPA – Nummer hat die EU-Kommission ein absurd bürokratisches System geschaffen, welches nicht nur jeden kleine Handwerker eine 16-stellige Gläubigeridentifikationsnummer aufbürdet, die er eingeben muss, wenn eine Rechnung gestellt wird oder eine Rechnung bezahlen werden muss.

Der mit der SEPA-Einführung verbundene zeitliche Aufwand ist nicht nur für die Banken und Sparkassen gigantisch. Für alle Unternehmen bedeutet das beispielsweise, dass sie die Kundenstammdaten umstellen müssen. Statt Kontonummer und Bankleitzahl sind zukünftig die IBAN und bei grenzüberschreitenden Transaktionen bis Februar 2016 der BIC zu verwenden. Insgesamt 22 Stellen umfasst die IBAN in Deutschland. In anderen Ländern ist die Kennnummer aber noch komplizierter. In Polen, Ungarn und Zypern müssen sich Bank- und Sparkassenkunden an eine 28-stellige, in Malta sogar an eine 31-stellige Kontonummer gewöhnen.

Es ist kein Wunder, dass diese Gewaltaktion der EU nicht auf Anhieb funktioniert.

Nun rudert die EU-Kommission zurück und fordert, dass die Frist zur Umstellung des elektronischen Zahlungsverkehrs auf das neue SEPA-System verlängert wird. Damit würden Privatpersonen, Unternehmen und Vereine sechs Monate mehr Zeit bekommen, um die notwendigen Änderungen vornehmen zu können.

Die EU-Kommission hat erst einmal bei der Einführung der SEPA kapituliert und vor Zahlungsausfällen gewarnt, weil sich viele Unternehmen und Vereine noch nicht auf die neue Kontodaten eingestellt haben.

Angesichts der schleppenden Umstellung, die schon jetzt zu einem Chaos geführt hat, war es nötig, die Reißleine zu ziehen.

SEPA, also „Single Euro Payments Area“, was sich als einheitlicher europäischer Zahlungsverkehrsraum übersetzen lässt, wird wohl eins der Unworte und größten Ereignisse in 2014 werden.

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